Kochen mit Kindern
Fisch frisch zubereiten

Nennillo und Nennella

Märchen aus dem Pentamerone von Giambattista Basile

Ein Witwer hat zwei Kinder, einen Jungen namens Nenillo und ein Mädchen namens Nennella, die er über alles liebt. Als er jedoch nach der Trauerzeit wieder heiratet, vermag er sich nicht gegen seine neue Frau durchzusetzen, der es widerstrebt, die »Schreibälge« der Vorgängerin großzuziehen. Schließlich verlangt sie, die Angelegenheit ein für allemal zu beenden. Also führt sie der Vater in den Wald und lässt sie mit einem großen Korb voller Essen allein. Immerhin markiert er mit Asche den Weg nach Hause, damit sie heimlich kommen können, wenn es ihnen an etwas fehlt. In der Nacht bekommen die Kinder Angst und kehren nach Hause zurück. Die Stiefmutter gebärdet sich wie eine Furie, sodass der Vater die Kinder weinend an die Hand nimmt und sie wieder in den Wald zurückführt. Er sagt ihnen, dass er sie liebt, dass sie aber wegen der Stiefmutter nicht bei ihm leben können. Wieder hinterlässt er ihnen einen Korb mit Essen und markiert den Weg zum Haus, damit sie sich holen können, was sie brauchen.

Allerdings markiert er den Weg diesmal mit Kleie. Als die Kinder aufgegessen haben, was sich im Korb befand, und nach Hause gehen wollen, finden sie keine Spur, da ein Esel die Kleie weggefressen hat. Nun sind sie tatsächlich ganz auf sich gestellt und ernähren sich dürftig von Eicheln und Kastanien. Eines Tages macht der König Jagd in ihrem Wald. Das Bellen der Hunde macht den Kindern große Angst. Während sich Nennillo in einem hohlen Baum versteckt, läuft Nennella, was ihre kleinen Beine hergeben, und gelangt so bis zur Küste, wo sie von Seeräubern entführt. So gelangt sie in den Haushalt des als Schiffseigentümer getarnt lebenden Seeräuberhauptmanns, wo sie an Kindesstatt aufgenommen wird. Ihr Bruder Nennillo hingegen wird von den Jägern des Königs in seinem Versteck gefunden und an dessen Hof gebracht. Der gibt man dem hübschen Jungen feine Kleider und lässt ihm eine gute Erziehung angedeihen. Als er zu einem jungen Mann herangewachsen ist, hat er es zum Vorschneider gebracht (d.h., er schneidet vor dem Auftragen die Speisen schön zurecht). Zur selben Zeit wird entdeckt, dass der ehrbare Schiffseigentümer, in dessen Haushalt Nennella lebt, in Wirklichkeit ein Seeräuber ist. Als er versucht, mit den Seinen übers Meer zu fliehen, gerät sein Schiff in einen schweren Sturm und kentert. Fast alle ertrinken, nur Nennella wird von einem großen Fisch verschluckt. In dessen Bauch findet sie ein prächtig ausgestattetes Zimmer und lebt wie eine Prinzessin. Der Fisch schwimmt mit ihr zur Küste, wo der König mit seinem Hofstaat in der Sommerfrische ist. Als Nennella ihren Bruder bei der Arbeit erblickt, sagt sie einen Vers auf:

Mein Brüderlein, mein Brüderlein
Die Messer sind geschliffen fein,
Der Tisch gedecket nett und rein,
Doch schmerzt es mich gar bitterlich,
In diesem Fisch zu sein ohn‘ dich!

Der König fragt alle seine Bediensteten, ob sie eventuell eine vermisste Schwester. Alle verneinen, nur Nennillo erinnert sich vage, eine Schwester gehabt zu haben, von der er jedoch getrennt wurde, als er noch sehr klein war. Als er sich dem Fisch nähert, tritt ein schönes junges Mädchen aus dem Fischmaul: seine Schwester Nennella. Der König lässt nachforschen, in wessen Familie zwei Kinder passenden Alters vermisst werden. Der Vater, der seine Kinder längst tot glaubt, ist glücklich, sie wohlauf wiederzusehen — auch wenn ihm der König für sein Handeln ordentlich den Kopf wäscht. Die böse Stiefmutter aber spricht ihr eigenes Urteil: Gefragt, was man jemanden tun sollte, der zwei so schönen jungen Menschen etwas Böses antut, antwortet sei, diesen müsse man in ein Fass stecken und einen Berg hinunterrollen lassen. So geschieht es. Für Nennella und Nennillo wählt der König reiche Ehepartner aus, sodass sie und auch ihr Vater fortan ein sorgenfreies Leben führen können.

Der Fisch mit dem Ring
„Englische Volksmärchen“ E. Diederichs Vlg. 1983

Es war einmal vor Zeiten ein mächtiger Baron im Nordland, der war ein großer Zauberer und wusste alles, was geschehen würde. Eines Tages nun, als sein kleiner Junge vier Jahre alt war, schaute er in das Buch der Geschicke, um zu sehen, was mit ihm geschehen würde. Und zu seiner Bestürzung fand er, dass sein Sohn ein Mädchen aus niederem Stande heiraten würde, das gerade in einem Haus im Schatten des Münsters von York geboren worden war. Der Baron wusste nun aber, dass der Vater des kleinen Mädchens sehr, sehr arm war und schon fünf Kinder hatte. Da ließ er sein Pferd bringen, ritt nach York und kam an dem Haus des Vaters vorbei. Er sah ihn traurig und bekümmert vor der Tür sitzen. Da stieg er ab, ging zu ihm hin und sagte: „Was ist Euch, guter Mann?“ Und der Mann sagte: „Ach, Euer Ehren, es ist so; ich habe schon fünf Kinder, und nun ist ein sechstes gekommen, ein kleines Mädchen, und wo ich das Brot herbekommen soll, um ihre Mäuler zu stopfen, das ist mehr, als ich sagen kann.“

„Lasst den Mut nicht sinken, guter Mann“, sagte der Baron. „Wenn das Euer Kummer ist, kann ich Euch helfen. Ich nehme das letzte Kleine zu mir, und Ihr müsst Euch darum keine Sorgen machen.“

„Dank Euch von Herzen, Herr“, sagte der Mann, und er ging hinein und brachte das Mädchen heraus, gab es dem Baron, und der stieg auf sein Pferd und ritt mit ihm fort. Und als er an das Ufer des Ouse-Flusses kam, warf er das kleine Ding in den Fluss und ritt fort zu seinem Schloss.

Aber das kleine Mädchen ging nicht unter, ihre Kleider hielten sie eine Zeit oben, und sie trieb dahin und trieb dahin, bis sie gerade vor der Hütte eines Fischers an Land geworfen wurde. Der Fischer fand sie da und hatte Mitleid mit dem armen kleinen Ding und nahm sie in sein Haus. Und da lebte sie, bis sie fünfzehn Jahre alt war und ein hübsches, feines Mädchen.

Eines Tages geschah es, dass der Baron mit einigen Gefährten an den Ufern des Ouse-Flusses jagen ging, und er hielt bei der Hütte des Fischers an, um etwas zu trinken zu bekommen, und das Mädchen kam heraus und gab es ihnen. Alle bemerkten ihre Schönheit, und einer von ihnen sagte zu dem Baron: „Baron, Ihr könnt die Geschicke erraten, was meint Ihr, wen wird sie heiraten?“

„Oh, das ist leicht zu erraten“, sagte der Baron, „irgend so einen Tölpel. Aber ich werde ihr das Horoskop stellen. Komm her, Mädchen, sag mir, an welchem Tag bist du geboren?“ „Ich weiß es nicht, Herr“, sagte das Mädchen, „ich bin gerade hier gefunden worden, als mich vor fünfzehn Jahren der Fluss hergebracht hat.“ Da wusste der Baron, wer sie war, und als sie aufbrachen, ritt er zurück und sagte zu dem Mädchen: „Höre, Mädchen, ich will dir zu deinem Glück verhelfen. Trage diesen Brief zu meinem Bruder in Scarborough, und es wird dir fürs Leben gut gehen.“

Und das Mädchen nahm den Brief und sagte, sie würde gehen. Was er in diesem Brief geschrieben hatte, war aber dies: „Lieber Bruder – nimm die Überbringerin und töte sie unverzüglich. Herzlich dein Humphrey.“ Kurz darauf brach also das Mädchen nach Scarborough auf, und über Nacht schlief sie in einer kleinen Herberge. Nun brach eben in dieser Nacht eine Räuberbande in den Gasthof ein, und sie durchsuchten das Mädchen. Das hatte kein Geld und nur den Brief. Da öffnenten sie den und lasen ihn und meinten, das wäre doch eine Schande. Der Räuberhauptmann nahm Feder und Papier und schrieb diesen Brief: „Lieber Bruder – nimm die Überbringerin und verheirate sie unverzüglich mit meinem Sohn.

Herzlich dein Humphrey.“ Und dann gab er ihn dem Mädchen und ließ sie gehen. So ging sie weiter zu dem Bruder des Barons nach Scarborough, der war ein edler Ritter, und der Sohn des Barons war gerade bei ihm. Als sie dem Bruder den Brief gab, befahl er, die Hochzeit sogleich auszurichten, und sie wurden noch am gleichen Tag verheiratet. Bald darauf kam der Baron selbst in das Schloss seines Bruders, und wie groß war seine Überraschung, als er sah, dass eben die Sache geschehen war, gegen die er seine Pläne gerichtet hatte. Aber er wollte sich nicht auf solche Art geschlagen geben, und er nahm das Mädchen mit auf einen Spaziergang, wie er sagte, entlang den Klippen.

Und als er mit ihr allein war, fasste er sie an den Armen und wollte sie hinabwerfen. Aber sie bat inständig um ihr Leben. „Ich habe nichts getan“, sagte sie, „und wenn Ihr mich nur verschonen wolltet, so tu ich, was immer Ihr auch wollt. Ich werde Euch oder Euren Sohn nie wiedersehen, bis Ihr es wünscht.“ Da zog der Baron seinen goldenen Ring ab und warf ihn ins Meer und sagte: „Lass mich niemals dein Gesicht wiedersehen, bis du mir diesen Ring vorzeigen kannst.“ Und dann ließ er sie gehen. Das arme Mädchen wanderte immer weiter, bis sie schließlich zum Schloss eines vornehmen Edelmannes kam, und da bat sie, man möge ihr doch irgendeine Arbeit geben. Und sie machten sie zum Spülmädchen im Schloss, denn sie war in der Fischerhütte an solche Arbeit gewöhnt gewesen.

Eines Tages nun, wen anderen sah sie da zum Haus des Edelmannes kommen als den Baron und seinen Bruder und seinen Sohn, ihren Ehemann! Sie wusste nicht was tun, aber sie dachte, sie würden sie in der Schlossküche nicht sehen. So ging sie mit einem Seufzer an ihre Arbeit zurück und begann einen mächtig großen Fisch sauber zu machen, der für das Mahl gekocht werden sollte. Und als sie ihn saubermachte, da sah sie innen drin etwas schimmern, und was meint ihr, was sie fand?

Nun, da war der Ring des Barons, eben der, den er über die Klippe bei Scarborough geworfen hatte. Sie war wirklich froh, ihn zu sehen, das könnt ihr glauben. Dann kochte sie den Fisch so fein sie konnte und richtete ihn her. Nun, als der Fisch auf den Tisch kam, schmeckte er den Gästen so gut, dass sie den Edelmann fragten, wer ihn gekocht habe. Er sagte, er wisse es nicht, aber er rief die Diener: „He, ihr da, schickt die Köchin, die diesen guten Fisch gekocht hat.“

Da gingen sie hinunter in die Küche und sagten dem Mädchen, sie werde im Saal gewünscht. Sie richtete sich her und steckte den goldenen Ring des Barons an ihren Daumen und ging hinauf in den Saal. Als die Festgäste solch eine junge und schöne Köchin sahen, waren sie überrascht. Aber der Baron geriet in höchsten Zorn und fuhr auf, als wolle er über sie herfallen. Da ging das Mädchen zu ihm hin und streckte ihm die Hand hin mit dem Ring darauf, und sie legte sie vor ihm auf den Tisch.

Da sah der Baron schließlich, dass niemand gegen das Geschick ankämpfen kann, und er führte sie zu einem Platz und gab der ganzen Gesellschaft bekannt, dass dies die rechte Frau seines Sohnes sei. Und er nahm sie und seinen Sohn mit sich nach Hause in sein Schloss, und sie lebten danach alle Zeit so glücklich, wie’s nur sein konnte.

Vom Fischer und seiner Frau

Ein Märchen der Brüder Grimm

 

Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einer kleinen Fischerhütte, dicht an der See, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte: und angelte und angelte.
So saß er auch einmal mit seiner Angel und sah immer in das klare Wasser hinein: und so saß er nun und saß.

Da ging die Angel auf den Grund, tief hinunter, und als er sie heraufhohe, da holte er einen großen Butt heraus. Da sagte der Butt zu ihm: „Hör mal, Fischer, ich bitte dich, lass mich leben, ich bin kein richtiger Butt, ich bin ein verwunschener Prinz. Was hilft's dir denn, wenn du mich tötest? Ich würde dir doch nicht recht schmecken: Setz mich wieder ins Wasser und lass mich schwimmen." – „Nun", sagte der Mann, „du brauchst nicht so viele Worte zu machen: einen Butt, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwimmen lassen." Damit setzte er ihn wieder in das klare Wasser. Da ging der Butt auf Grund und ließ einen langen Streifen Blut hinter sich. Da stand der Fischer auf und ging zu seiner Frau in die kleine Hütte.

„Mann", sagte die Frau, "hast du heute nichts gefangen?" – „Nein", sagte der Mann. „Ich fing einen Butt, der sagte, er wäre ein verwunschener Prinz, da hab ich ihn wieder schwimmen lassen." – „Hast du dir denn nichts gewünscht?" sagte die Frau. „Nein", sagte der Mann, „was sollte ich mir wünschen?" – „Ach", sagte die Frau, „das ist doch übel, immer hier in der Hütte zu wohnen: die stinkt und ist so eklig; du hättest uns doch ein kleines Häuschen wünschen können. Geh noch einmal hin und ruf ihn. Sag ihm, wir wollen ein kleines Häuschen haben, er tut das gewiss." – „Ach", sagte der Mann, „was soll ich da nochmal hingehen?" – „I was", sagte die Frau, „du hattest ihn doch gefangen und hast ihn wieder schwimmen lassen - er tut das gewiss. Geh gleich hin!" Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber auch seiner Frau nicht zuwiderhandeln und ging hin an die See.

Als er dorthin kam, war die See ganz grün und gelb und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte:

„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will."

Da kam der Butt angeschwommen und sagte: „Na, was will sie denn?" – „Ach", sagte der Mann, „ich hatte dich doch gefangen; nun sagt meine Frau, ich hätt mir doch was wünschen sollen. Sie mag nicht mehr in der Hütte wohnen, sie will gern ein Häuschen." – „Geh nur," sagte der Butt, „sie hat es schon."

Da ging der Mann hin, und seine Frau saß nicht mehr in der kleinen Hütte, denn an ihrer Stelle stand jetzt ein Häuschen, und seine Frau saß vor der Türe auf einer Bank. Da nahm ihn seine Frau bei der Hand und sagte zu ihm: „Komm nur herein, sieh, nun ist doch das viel besser." Da gingen sie hinein, und in dem Häuschen war ein kleiner Vorplatz und eine kleine reine Stube und Kammer, wo jedem sein Bett stand, und Küche und Speisekammer, alles aufs Beste mit Gerätschaften versehen und aufs Schönste aufgestellt, Zinnzeug und Messing, was ebenso dazugehört. Dahinter war auch ein kleiner Hof mit Hühnern und Enten und ein kleiner Garten mit Grünzeug und Obst. „Sieh", sagte die Frau, „ist das nicht nett?" – „Ja", sagte der Mann, „so soll es bleiben; nun wollen wir recht vergnügt leben." – „Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau. Dann aßen sie etwas und gingen zu Bett.

So ging es wohl nun acht oder vierzehn Tage, da sagte die Frau: „Hör, Mann, das Häuschen ist auch gar zu eng, und der Hof und der Garten ist so klein: der Butt hätt uns auch wohl ein größeres Haus schenken können. Ich möchte wohl in einem großen steinernen Schloss wohnen. Geh hin zum Butt, er soll uns ein Schloss schenken." – „Ach Frau", sagte der Mann, „das Häuschen ist ja gut genug, warum wollen wir in einem Schloss wohnen?" – „I was", sagte die Frau, „geh du man hin, der Butt kann das schon." – „Nein, Frau", sagte der Mann, „der Butt hat uns erst das Häuschen gegeben. Ich mag nun nicht schon wieder kommen, den Butt könnte das verdrießen." – „Geh doch", sagte die Frau, „er kann das recht gut und tut es auch gern; geh du nur hin." Dem Mann war sein Herz so schwer, und er wollte nicht; er sagte zu sich selber: „Das ist nicht recht." Aber er ging doch hin.

Als er an die See kam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau und dick, und gar nicht mehr so grün und gelb, doch war es noch still. Da stellte er sich hin und sagte:

„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will."

„Na, was will sie denn?" sagte der Butt. „Ach", sagte der Mann, halb betrübt, „sie will in einem großen steinernen Schloss wohnen." – „Geh nur hin, sie steht vor der Tür", sagte der Butt.

Da ging der Mann hin und dachte, er wollte nach Hause gehen, als er aber dahin kam, da stand dort ein großer steinerner Palast, und seine Frau stand oben auf der Treppe und wollte hineingehen: da nahm sie ihn bei der Hand und sagte: „Komm nur herein." Damit ging er mit ihr hinein, und in dem Schloss war eine große Diele mit einem marmornen Estrich, und da waren so viele Bediente, die rissen die großen Türen auf, und die Wände waren alle blank und mit schönen Tapeten ausgestattet, und in den Zimmern lauter goldene Stühle und Tische, und kristallene Kronleuchter hingen von der Decke; alle Stuben und Kammern waren mit Fußdecken versehen. Auf den Tischen stand das Essen und der allerbeste Wein, dass sie fast brechen wollten. Und hinter dem Haus war auch ein großer Hof mit Pferde- und Kuhstall, und Kutschwagen: alles vom allerbesten; auch war da ein großer herrlicher Garten mit den schönsten Blumen und feinen Obstbäumen, und ein herrlicher Park, wohl eine halbe Meile lang, da waren Hirsche und Rehe drin und alles, was man nur immer wünschen mag. „Na", sagte die Frau, „ist das nun nicht schön?" – „Ach ja", sagte der Mann, „so soll es auch bleiben. Nun wollen wir auch in dem schönen Schloss wohnen und wollen zufrieden sein." – „Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau, „und wollen es beschlafen." Darauf gingen sie zu Bett.

Am andern Morgen wachte die Frau als erste auf; es war gerade Tag geworden, und sah von ihrem Bett aus das herrliche Land vor sich liegen. Der Mann reckte sich noch, da stieß sie ihn mit dem Ellbogen in die Seite und sagte: „Mann, steh auf und guck mal aus dem Fenster. Sieh, können wir nicht König werden über all das Land? Geh hin zum Butt, wir wollen König sein." – „Ach Frau", sagte der Mann, „warum wollen wir König sein?" – „Nun", sagte die Frau, „willst du nicht König sein, so will ich König sein. Geh hin zum Butt, ich will König sein." – „Ach Frau", sagte der Mann, „was willst du König sein? Das mag ich ihm nicht sagen." – „Warum nicht?" sagte die Frau, „geh stracks hin, ich muss König sein." Da ging der Mann hin und war ganz bedrückt, dass seine Frau König werden wollte. Das ist und ist nicht recht, dachte der Mann. Er wollte nicht hingehen, ging aber dann doch hin.

Und als er an die See kam, war die See ganz schwarzgrau, und das Wasser drängte so von unten herauf und stank auch ganz faul. Da stellte er sich hin und sagte:

„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will."

„Na, was will sie denn?" sagte der Butt. „Ach", sagte der Mann, „sie will König werden." – „Geh nur hin, sie ist es schon," sagte der Butt.

Da ging der Mann hin, und als er zu dem Palast kam, war das Schloss viel größer geworden, mit einem großen Turm und herrlichem Zierrat daran: und die Schildwache stand vor dem Tor, und da waren so viele Soldaten und Pauken und Trompeten. Und als er in das Haus kam, so war alles von purem Marmor und Gold, und samtne Decken und große goldene Quasten. Da gingen die Türen von dem Saal auf, wo der ganze Hofstaat war, und seine Frau saß auf einem hohen Thron von Gold und Diamanten und hatte eine große goldene Krone auf und das Zepter in der Hand von purem Gold und Edelstein. Und auf beiden Seiten von ihr standen sechs Jungfrauen in einer Reihe, immer eine einen Kopf kleiner als die andere. Da stellte er sich hin und sagte: „Ach Frau, bist du nun König?" – „Ja," sagte die Frau, „nun bin ich König." Da stand er nun und sah sie an; und als er sie eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er: „Ach Frau, was ist das schön, dass du nun König bist! Nun wollen wir uns auch nichts mehr wünschen." – „Nein, Mann," sagte die Frau, und war ganz unruhig, „mir wird schon Zeit und Weile lang, ich kann das nicht mehr aushalten. Geh hin zum Butt: König bin ich, nun muss ich auch Kaiser werden." – „Ach Frau", sagte der Mann, „warum willst du Kaiser werden?" – „Mann", sagte sie, „geh zum Butt, ich will Kaiser sein!" – „Ach Frau", sagte der Mann, „Kaiser kann er nicht machen, ich mag dem Butt das nicht zu sagen; Kaiser ist nur einmal im Reich: Kaiser kann der Butt nicht machen." – „Was?" sagte die Frau, „ich bin König, und du bist doch mein Mann; willst du gleich hingehen? Gleich geh hin! - Kann er Könige machen, so kann er auch Kaiser machen; ich will und will Kaiser sein! Geh gleich hin!" Da musste er hingehen. Als der Mann aber hinging, war ihm ganz bang; und als er so ging, dachte er bei sich: Das geht und geht nicht gut: Kaiser ist zu unverschämt, der Butt wird's am Ende leid. Inzwischen kam er an die See. Da war die See noch ganz schwarz und dick und fing an, so von unten herauf zu schäumen, dass sie Blasen warf; und es ging so ein Wirbelwind über die See hin, dass sie sich nur so drehte. Und den Mann ergriff ein Grauen. Da stand er nun und sagte:

„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will."

„Na, was will sie denn?" sagte der Butt. „Ach, Butt," sagte er, „meine Frau will Kaiser werden." – „Geh nur hin," sagte der Butt, „sie ist es schon."

Da ging der Mann hin, und als er dort ankam, war das ganze Schloss von poliertem Marmor mit Figuren aus Alabaster und goldenen Zierraten. Vor der Tür marschierten die Soldaten, und sie bliesen Trompeten und schlugen Pauken und Trommeln; aber in dem Hause, da gingen die Barone und Grafen und Herzöge herum und taten, als ob sie Diener wären. Die machten ihm die Türen auf, die von lauter Gold waren. Und als er hereinkam, da saß seine Frau auf einem Thron, der war von einem Stück Gold und war wohl zwei Meilen hoch; und sie hatte eine große goldene Krone auf, die war drei Ellen hoch und mit Brillanten und Karfunkelsteinen besetzt. In der einen Hand hatte sie das Zepter und in der andern den Reichsapfel, und auf beiden Seiten neben ihr, da standen die Trabanten so in zwei Reihen, immer einer kleiner als der andere, von dem allergrößten Riesen, der war zwei Meilen hoch, bis zu dem allerwinzigsten Zwerg, der war so groß wie mein kleiner Finger. Und vor ihr standen viele Fürsten und Herzöge. Da trat nun der Mann zwischen sie und sagte: „Frau, bist du nun Kaiser?" – „Ja," sagte sie, „ich bin Kaiser." Da stellte er sich nun hin und besah sie sich recht, und als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, da sagte er: „Ach, Frau, wie steht dir das schön, dass du Kaiser bist." – „Mann," sagte sie, „was stehst du da? Ich bin nun Kaiser, nun will ich auch Papst werden; geh hin zum Butt." – „Ach Frau," sagte der Mann, „was willst du denn nicht alles? Papst kannst du nicht werden, ihn gibt's nur einmal in der Christenheit: das kann er doch nicht machen!" – „Mann", sagte sie, „ich will Papst werden, geh gleich hin, ich muss heute noch Papst werden." – „Nein, Frau," sagte der Mann, „das mag ich ihm nicht sagen, das ist nicht gut, das ist zu viel verlangt, zum Papst kann dich der Butt nicht machen." – „Mann, schwatz kein dummes Zeug!" sagte die Frau. „Kann er Kaiser machen, so kann er auch einen Papst machen. Geh sofort hin; ich bin Kaiser, und du bist doch mein Mann. Willst du wohl hingehen?" Da wurde ihm ganz bang zumute, und er ging hin, aber ihm war ganz flau dabei; er zitterte und bebte, und die Knie und Waden schlotterten ihm. Und da strich so ein Wind über das Land, und die Wolken flogen, und es wurde so düster wie gegen den Abend zu: die Blätter wehten von den Bäumen, und das Wasser ging hoch und brauste so, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne sah er die Schiffe, die gaben Notschüsse ab und tanzten und sprangen auf den Wogen. Doch war der Himmel in der Mitte noch ein bisschen blau, aber an den Seiten, da zog es so recht rot auf wie ein schweres Gewitter. Da ging er ganz verzagt hin und stand da in seiner Angst und sagte:

„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will."

„Na, was will sie denn?" sagte der Butt. „Ach", sagte der Mann, „sie will Papst werden." - "Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt.

Da ging er hin, und als er ankam, da war da eine große Kirche, von lauter Palästen umgeben. Da drängte er sich durch das Volk; inwendig war aber alles mit tausend und tausend Lichtern erleuchtet, und seine Frau war ganz in Gold gekleidet und saß auf einem noch viel höheren Thron und hatte drei große goldene Kronen auf, und um sie herum, da war so viel geistlicher Staat, und zu beiden Seiten von ihr, da standen zwei Reihen Lichter, das größte so dick und so groß wie der allergrößte Turm, bis zu dem allerkleinsten Küchenlicht. Und all die Kaiser und Könige, die lagen vor ihr auf den Knien und küssten ihr den Pantoffel. „Frau", sagte der Mann und sah sie so recht an, „bist du nun Papst?" – „Ja", sagte sie, „ich bin Papst." Da ging er hin und sah sie recht an, und da war ihm, als ob er in die helle Sonne sähe. Als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, sagte er: „Ach Frau, wie gut steht dir das, dass du Papst bist!" Sie saß aber ganz steif wie ein Baum und rührte und regte sich nicht. Da sagte er: „Frau, nun sei zufrieden, dass du Papst bist, denn nun kannst du doch nichts mehr werden." – „Das will ich mir bedenken," sagte die Frau. Damit gingen sie beide zu Bett. Aber sie war nicht zufrieden, und die Gier ließ sie nicht schlafen; sie dachte immer, was sie noch werden könnte.

Der Mann schlief recht gut und fest, er hatte am Tag viel laufen müssen; die Frau aber konnte gar nicht einschlafen und warf sich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere und dachte immer darüber nach, was sie wohl noch werden könnte, und konnte sich doch auf nichts mehr besinnen. Indessen wollte die Sonne aufgehen, und als sie das Morgenrot sah, setzte sie sich aufrecht im Bett hin und sah da hinein. Und als sie aus dem Fenster die Sonne so heraufkommen sah: Ha, dachte sie, kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen? – „Mann", sagte sie und stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Rippen; „wach auf, geh hin zum Butt, ich will werden wie der liebe Gott." Der Mann war noch ganz schlaftrunken, aber er erschrak so, dass er aus dem Bett fiel. Er meinte, er hätte sich verhört, rieb sich die Augen aus und sagte: „Ach Frau, was sagst du?" – „Mann", sagte sie, „wenn ich nicht die Sonne und den Mond kann aufgehen lassen, das kann ich nicht aushalten, und ich habe keine ruhige Stunde mehr, dass ich sie nicht selbst kann aufgehen lassen." Dabei sah sie ihn ganz böse an, dass ihn ein Schauder überlief. „Gleich geh hin, ich will werden wie der liebe Gott." – „Ach, Frau", sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, „das kann der Butt nicht. Kaiser und Papst kann er machen; - ich bitte dich, geh in dich und bleibe Papst." Da überkam sie die Bosheit, die Haare flogen ihr so wild um den Kopf und sie schrie: „Ich halte das nicht aus! Und ich halte das nicht länger aus! Willst du hingehen?!" Da zog er sich die Hose an und lief davon wie unsinnig.

Draußen aber ging der Sturm und brauste, dass er kaum auf den Füßen stehen konnte. Die Häuser und die Bäume wurden umgeweht, und die Berge bebten, und die Felsenstücke rollten in die See, und der Himmel war ganz pechschwarz, und es donnerte und blitzte, und die See ging in so hohen schwarzen Wogen wie Kirchtürme und Berge, und hatten oben alle eine weiße Schaumkrone auf. Da schrie er, und konnte sein eigenes Wort nicht hören:

„Männlein, Männlein, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will."

„Na, was will sie denn?" sagte der Butt. „Ach," sagte er, „sie will werden wie der liebe Gott." – „Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhütte."

Da sitzen sie noch bis auf den heutigen Tag.

Autor: Theodor Vernaleken

Ein Fischer, welcher schon viele Tage nichts gefangen hatte, machte sich abermals zum See auf, um seine Netze auszuwerfen. Er hatte zwar wenig Hoffnung, doch er musste es versuchen, denn Frau und Kinder waren hungrig.

Der Fischer warf das Netz ins Wasser, und als er es herauszog, lag ein Stein darin. Beim zweiten Mal zog der Fischer einen ertrunkenen Eber hervor. Dann warf er zum dritte mal das Netz in die See und als er es wieder herausholte, lag da in dem Netz ein kleines Kästchen.

Der Fischer nahm das Kästchen heraus und öffnete es. Aber wie erschrak er, als aus dem Kästchen ein Riese herausstieg und zum Fischer sprach: „Dafür, dass du mich ans Tageslicht gebracht hast, empfange deinen Lohn: Ich befehle dir, jetzt selbst in das Kästchen zu steigen. Wenn nicht, so sollst du sterben."

Der Fischer jammerte und sprach: „Aber wie soll ich denn in diesem kleinen Kästchen Platz finden?" Der Riese wollte dem Fischer zeigen, dass darrinnen genug Raum sei, und stieg wieder in das Kästchen. Kaum war der Riese drinnen, so schloss der Fischer schnell das Kästchen und wollte es wieder in den See werfen.

Der Riese aber bat, er solle dieses nicht früher tun, als bis er ihm ein Geheimnis anvertraut habe. Der Fischer gewährte ihm diese Bitte, und der Riese sprach: „Ich bin der Geist des Sohnes deines Königs. Mein Vater warf mich in diesen See, weil ich ein großer Sünder gewesen bin. Ich hatte nämlich den Menschen nur immer Böses zugefügt und viele Rechtschaffene ermordet. Ich sollte nach dem Ausspruch meines Vaters nur dann Ruhe finden, wenn ich gegen jenen, welcher mich auffindet, mich wohltätig erweise. Das will ich denn nun tun. Höre: Nicht weit von hier findest du einen Teich. Wirf dort dein Netz, und du wirst jeden Tag einen Fisch fangen. Diesen trage an den königlichen Hof, und du bekommst für jeden solchen Fisch einen Dukaten."

Wie der Geist gesagt, so ist auch alles geschehen. Der Fischer fand wirklich den Teich, warf sein Netz ins Wasser und fing einen wunderschönen Fisch. Diesen trug er in das Schloss des Königs. Als die Köchin den prächtigen Fisch erblickte, gefiel er ihr sehr, und sie gab dem Fischer den verlangten Dukaten dafür, denn sie glaubte, dem König heute etwas Besonderes vorzusetzen.

Die Köchin legte den Fisch in die Pfanne und wollte ihn backen. Aber kaum war er über dem Feuer, so sprach er: „Solange ihr Gutes tut, so lang wird es euch gut gehen, sobald ihr aber Böses tut, wird‘s euch schlimm gehen." Und hierauf flog er durch den Rauchfang fort.

Als am zweiten Tag der Fischer mit einem ebenso schönen Fisch kam, kaufte die Köchin abermals den Fisch. Aber es ereignete sich dasselbe wie mit dem ersten Fisch. Dieses wurde dem König erzählt und am dritten Tag war er selbst bei der Bereitung des Fisches zugegen. Wieder geschah dasselbe.

Der König ließ den Fischer holen. Als dieser kam, erzählte er ihm alles vom Anfang bis zum Ende, was er von dem Geist wusste. Der König hatte eine große Freude daran, dass sein Sohn sich gebessert hatte. Den Fischer nahm er mit seiner ganzen Familie ins Schloss und ließ es ihnen an nichts mangeln.

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Bilder: amhc-design